Ansprüche aus der Fluggastrechteverordnung im Detail

Rechtliche Bestimmungen der EU
Dieser Artikel beschreibt die konkreten Regelungen rund um Nichtbeförderung, Verspätung oder Streichung von Flügen. Richtwerttabellen und Praxisbeispiele zeigen die konkreten Auswirkungen für Fluggäste.

1. Nichtbeförderung wegen Überbuchung

Kann eine Fluglinie wegen Überbuchungen nicht alle Passagiere befördern, muss sie zuerst versuchen, unter den betroffenen Passagieren Freiwillige zu finden, die gegen Rückzahlung des Flugpreises oder einer anderweitige Beförderung sowie einer Ersatzleistung (zB Fluggutscheine) freiwillig auf den Flug verzichten. Grundsäztlich ist niemand verpflichtet, ein solches Ersatzangebot der Fluglinie anzunehmen.

Beachte: Freiwillige, die eine solche Ersatzleistung der Fluglinie annehmen, haben keinen Anspruch auf weitere Ausgleichsleistungen und Betreuungsleistungen.

Falls sich nicht genügend Freiwillige finden, kann die Fluglinie den restlichen Fluggästen die Beförderung verweigern.
In diesem Fall muss die Fluglinie folgende Leistunden erbringen:

  • entweder
    • Rückzahlung des Flugpreises binnen 7 Tagen samt Rückflug zum ursprünglichen Abflugsort (falls erforderlich) oder
    • anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Konditionen zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder
    • anderweitige Beförderung zum Endziel zu einem späteren Zeitpunkt nach Ihrer Wahl (beschränkt nach verfügbaren Plätzen)
  • Betreuungsleistungen, wie beispielsweise  Hotelunterbringung, eine Mahlzeit, Telefongespräche usw.
  • Ausgleichsleistung nach Tabelle 1

Kürzung der Ausgleichsleistung

Entscheidet man sich für eine anderweitige Beförderung und wird diese innerhalb einer bestimmten Zeit angeboten, so kann die Fluglinie die Ausgleichsleistung um 50 % kürzen.

Tabelle 1:
Ausgleichsleistung bei Nichbeförderung wegen Überbuchung und Streichung des Fluges

Entfernung
(km)
Ausgleich
(EUR)

Wahl anderweitiger
Beföderung und
Verspätung bis  ... (h)

gekürzte 
Ausgleichleistung
(EUR)
 
 bis 1500 250  125 
 1500-3500 400  200 
 ab 3500 600  300 

Beachte: Die Ausgleichsleistungen nach dieser Tabelle sind nicht mit Mit dem Preis des Tickets begrenzt!

2. Streichung eines Fluges

Wird der Flug gestrichen, hat man folgende Ansprüche:

  • Rückzahlung des Flugpreises samt Rückflug zum ursprünglichen Abflugsort (falls erforderlich) oder anderweitige Beförderung nach Wahl
  • Betreuungsleistungen
  • eine Ausgleichsleistung nach Tabelle 1


Beachte: Es gibt Fälle, in denen keine Ausgleichsleistung zusteht. Diese Fälle sind:

1. außergewöhnliche Umstände

Liegt ein außergewöhnlicher Umstand vor und hat die Fluglinie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen, um den Eintritt dieses außergewöhnlichen Umstandes zu vermeiden, dann ist die Fluglinie nicht zur Zahlung der Ausgleichsleistung verpflichtet.
Liegt jedoch ein Verschulden der Fluglinie vor,  hat diese den Passagieren eine Ausgleichsleistung nach Tabelle 1 zu leisten.

Außergewöhnliche Umstände sind beispielsweise

  • politische Unbeständigkeit (Krieg, Terror usw.)
  • Wetterbedingungen, unter denen der Flug nicht stattfinden kann
  • Sicherheitsrisiken
  • unerwartete Flugsicherheitsmängel
  • Streiks, die den Betrieb der Fluglinie beeinträchtigen

In folgenden Beispielen kommt es zum Entfall der Ausgleichszahlung bei außergewöhnlichen Umständen:

Bsp. 1:  Der Flug wird gestrichen, weil der Zielflughafen aufgrund starken Schneefalls nicht angeflogen werden kann.

Bsp. 2:  Der Flug muss aufgrund einer akuten Terrorwarnung abgesagt werden.

2. zeitgerechte Information über Streichung und Ersatzangebot

Die Fluglinie muss auch dann keine Ausgleichsleistung nach der Fluggastrechteverordnung erbringen, wenn sie die Passagiere zeitgerecht über die Streichung des Fluges informiert und  diesen ein Ersatzangebot gemacht hat.

Die Ausgleichsleistung kann daher entfallen, wenn die Fluglinie den Fluggast:

  • mindestens 14 Tage vor dem geplanten Abflug informiert oder
  • zwischen 14 und 7 Tagen vor dem Abflug informiert und ein Ersatzangebot macht, mit welchem der Fluggast nicht mehr als  2 Stunden vor der geplanten Abflugzeit abfliegt und am Endziel nicht mehr als 4 Stunden später als ursprünglich geplant ankommt, oder
  • weniger als 7 Tage vor dem Abflug informiert und ein Ersatzangebot macht, mit welchem der Fluggast nicht mehr als  1 Stunde vor der geplanten Abflugzeit abfliegt und am Endziel nicht mehr als 2 Stunden später als ursprünglich geplant ankommt.

Tabelle  2:
Entfall der Ausgleichsleistung nach der Fluggastrechteverordnung bei rechtzeitiger Information

Information vor
planmäßiger Abflugszeit
Toleranzzeit bei Angeboten
zur anderweitigen Befögerung
bis 14 Tage vor Abflug generell kein Ausgleich
zwischen 14 und 7 Tagen vor Abflug +2/-4 Stunden
weniger als 7 Tage vor Abflug +1/-2 Stunden

 

3. Verspätung

Eine Verspätung im Sinne der Fluggastrechteverordnung liegt bei folgenden Zeiten vor:

  • bei Flügen bis 1500 km: ab 2 Stunden
  • bei Flügen zwischen 1500 und 3500 km: ab 3 Stunden 
  • bei Flügen über 3500: ab 4 Stunden

Erwartet eine Fluglinie eine Verspätung in dieser Größenordnung, hat man folgende Ansprüche:

  • Betreuungsleistungen
  • wenn die Verspätung  mehr als 5 Stunden beträgt:  Rückzahlung des Flugpreises innerhalb von 7 Tagen samt Rückfluges an ursprünglichen Abflugort (falls erforderlich) 

Tabelle 3:
Betreuungsleisunten bei Verspätung

Entfernung
(km)
voraussichtliche 
Abflugverspätung
(h)
Anspruch auf
bis 1500 2 oder mehr
  • Verpflegung, Hotelunterbrinung
  • 2 unentgeltiche Telefonate, Telefaxe oder e-mails
  • Rückerstattung des Flugpreises sowie 
    Rückbefoderung zum ersten Abflugort (falls nötig) 
1500 bis 3500 3 oder mehr
über 3500 4 oder mehr
für alle Entfernungen 5 oder mehr

4. Sonstige Regelungen der Fluggastrechteverordnung

a) Umbuchung in eine nierdrigere Klasse 

Wird man in eine  niedrigere als die gebuchte Klasse umgebucht, muss die Fluglinie dafür je nach  Entfernung des Fluges eine Entschädigung
zwischen 30 % und 75 % des Flugpreises
bezahlen. 

b) Umbuchung in eine höhere Klasse

Wird man von der Fluglinie in eine höhere als die gebuchte Klasse umgebucht, so darf kein Zuschlag verrechnen werden.


c) Beföderung von unbegleiteten Kindern und Personen mit eingeschränkter Mobilität 

Die Fluglinie muss Personen mit eingeschränkter Mobilität (samt ihren Begleitpersonen) sowie unbegleitete Kinder vorrangig befördern und diese bei Betreuungsleistungen vorranging berücksichtigen.

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